Ich bin ein „Boxenluder“

Oft wird in den sozialen Medien die Frage gestellt, was man mit einem kreativen und sehr passionierten Innenarchitekten in Fellgestalt anfangen soll, damit nicht die gesamte Wohnung neu gestaltet wird. Die Hauptantwort lautet: „Box“. Direkt im Anschluss folgt der Aufschrei: „Den Hund wegsperren, bloß weil man unfähig ist, ihn zu erziehen. Unverantwortlich! Kauf dir ein Stofftier!“ Naja, so und so ähnlich. Aber… ist das so? Happy Doglife hat sich darüber auch schon ausführliche Gedanken gemacht.

Die „Doberfrau“ Abra schläft entspannt in ihrer Box, während Frauchen Mara den Pinsel schwingt.

Die Box

Beleuchten wir mal die Box von allen Seiten. Es gibt Gitterboxen, Kunstoffboxen, Stoffboxen oder selbstgebaute Boxen. Die Boxen haben alle eins gemein: Sie haben eine Decke und einen Boden, dazu vier Wände, von denen 1-3 zu öffnen sind. Je nach Beschaffenheit der Box ist sie rundum zum Durchgucken oder undurchguckbar. Ich persönlich finde eine mit geschlossenen Seiten und einer geschlossenen Rückwand super, da kann sich nämlich keiner anschleichen. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Es ist auch klasse, wenn man sicher in einer Box ist und die anderen von draußen blöd gucken und nicht an einen ran können. *grins*

Sinn und Zweck der Box

Die (gut und positiv aufgebaute) Box ist für mich und meine vierpfotigen Freunde ein Ort der Geborgenheit und der Sicherheit. Mit gut aufgebaut meine ich nicht nur, dass sie stabil aufgebaut ist und zusammenklappt, sobald man tief ausatmet, sondern dass wir die Box positiv verknüpft haben. Die Box sollte niemals als Strafe verstanden werden. Weder vom Hund noch vom Mensch. Viele Hunde schlafen die ganze Nacht darin und vermissen nichts. Sie sind es nicht anders gewöhnt und finden ihre Box großartig. Ich selber bin ein Nightwalker und wechsle jede Nacht mehrfach den Schlafort. Aber sind wir zum Beispiel beim Zelten oder im Hotel, dann schlafe ich grundsätzlich in meiner geöffneten Box. Ich will es so.

Fassen wir zusammen. Die Box ist kein Strafort, sondern eine bequeme und kuschlige Höhle, in der Hund grundsätzlich ungestört bleiben sollte (außer für gemeinsame Kuscheleinheiten). Frauli hat mir meine Box so beigebracht, dass sie komplett mir ist und da geht keiner ran. Ich brauche das für mich. Es ist mein eigener Bereich und dort fasst keiner rein, dort kommt keiner rein. Ich bin dort 100% sicher und geborgen.

Vorteile der Box

Grade für einen Welpen ist es großartig, wenn er lernt in der Box Ruhe zu haben und zu entspannen. Viele von den kleinen Strolchen überdrehen nämlich gerne und müssen zur Ruhe gezwungen werden. Übt man das nicht schon von Kindespfoten an, erzieht man sich nämlich so richtige Arbeitstiere, die dann im Erwachsenenalter richtig viel Auslastung fordern und in einem Dauerstress gefangen sind, da sie nicht gelernt haben abzuschalten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der typische Border Collie oder Jack Russel Terrier. Diese entwickeln sich zu regelrechten Terroristen und drehen sich in einer Stressspirale, die sie selbst nicht mehr durchbrechen können.

Der nächste Vorteil ist die einfache Methode die Stubenreinheit zu erlernen. Der Welpe ist ein reinliches Tierchen und möchte sich nicht ins Bett pieseln. Die kleine Blase hält aber selten eine ganze Nacht durch und muss erst trainiert werden. Schläft das Hundekind nun in der Box, muss er sich melden, um sich zu erleichtern. Natürlich darf der Mensch die Box nicht in einen weit entfernten Raum stellen, um sich die Nachtruhe zu sichern, sondern muss auf Zack sein. Am Besten steht die Box im Schlafzimmer, so dass der Mensch beim kleinsten Quieker des Hundebabies aus dem Bett spritzen und in die geeignete Pinkelzone bringen kann. Ich hatte den Dreh schnell raus und durfte schon nach 3 Wochen in der offenen Box nächtigen und hab trotzdem Bescheid gegeben.

„Munchkin liebt seine Box! Er geht abends immer pünktlich von allein da rein, wenn er müde ist. Sie steht im Flur und obwohl mein Freund und ich noch im Wohnzimmer fernsehen, entscheidet er irgendwann, dass für ihn Schlafenszeit ist“

Boxenstopp

Das allerwichtigste ist natürlich, dass die Box nicht als Strafe angesehen werden darf. Also auch von der eigenen inneren Einstellung her. Bei mir war es so, dass Frauli mich in der Box gefüttert hat. Ich hatte nämlich anfangs Angst, dass mir mein Fressen wieder weggenommen wird und ich es verteidigen muss, was zu einigen unschönen Szenen führte. Also hat Frauli mir die Box aufgestellt und mich ausschließlich darin gefüttert. So hab ich gleich gemerkt, dass die Box toll ist. Dort gab es Futter und ich war ungestört. Die Boxentür war immer auf, damit ich jederzeit rausgehen konnte. Nachts wurde sie dann geschlossen, aber nach ein bisschen Gejammer war es eigentlich gut. Frauli hat die Box direkt neben dem Bett aufgestellt, damit ich ganz nah bei ihr bin und so hab ich trotzdem gut darin geschlafen. Wenn ich nachts Pipi musste, hab ich einfach nur gequietscht und schon stand Frauli auf der Matte. Ich bin dann mit einem mittleren Zombie in den Garten und hab mein Geschäftliches erledigt. Frauli hat dann oft die Box aufgelassen, wenn es nicht mehr lange bis zum Aufstehen war. Meistens hab ich dann trotzdem in der Box geschlafen, weil es ja mein Bettchen ist.

Zur Zeit haben wir aus Platzmangel die Box nicht aufgestellt, aber sie ist immer auf Turnieren und auch oft auf dem Hundeplatz dabei. So hab ich mein kleines Stück Zuhause immer bei mir. Ich fühle mich dort sehr wohl und geborgen.

Der passionierte Innenarchitekt

Natürlich führt kein Weg am Alleinbleibentraining vorbei. Der Mensch, so bemüht er auch sein mag, ist ein vielbeschäftigtes Wesen und manche Wege führen ihn an Orte, an den wir ihn trotz allem Willen und Wollen nicht begleiten können. Also müssen wir lernen auch alleine zu bleiben. Nach des Menschens Wunsch auch, ohne die gesamte Inneneinrichtung neu zu gestalten. Dieser Drang des Umbaus kann von der puren Überforderung des plötzlichen großen Überwachungsgebietes herrühren oder auch Frust sein. Nun wird ja oft die Box empfohlen. Das heißt jetzt nicht, dass unsereins stundenlang in der Box eingepfercht wird, damit Mensch seinen Vergnügungen nach gehen kann und das Haus hinterher noch steht. Nein, es ist bei gutem und langsamen Aufbau für uns ein Ort der Geborgenheit. Der Rest des Hauses kann ja gesichert werden, damit wir nicht so ein großes Einzugsgebiet haben.

Beispiel: Mein „Fellcousin“ Munin hat immer das gesamte Haus zusammengebellt, wenn er die gesamte Wohnung zur Verfügung hatte. Sobald sein Territorium begrenzt auf einen Raum inkl. Box war, war er friedlich und hat in der Box geschlafen. Während des Trainings wurde er auch mal für kurze Zeiten in der Box eingekastelt und hat das klaglos ertragen. Die Box ist groß genug, dass er sich drehen, wenden, sitzen, stehen, liegen und sogar etwas hin und her gehen kann. Außerdem steht der Wassernapf mit drin. Schließlich hat Hund ja auch mal Durst. Munin wurde über Kamera gestalkt und siehe da! Er hat in seiner Box geschlafen, sich mal anders hingelegt, aber war die ganze Zeit entspannt und ruhig. Sichtlich zufrieden. Erst als Herrchen heimkam, hat Munin die Box ratzfatz selber geöffnet und ist zur Begrüßung angetanzt. Direkt im Anschluss ging er wieder in die Box, damit Herrchen ihn rauslassen kann… lassen wir jetzt unkommentiert.

Mein Fazit

Wurde die Box gut aufgebaut und bietet sie genug Platz, kann sie durchaus als „Wartezimmer“ genutzt werden, damit die Wohnung im Stück und dem verlassenen Zustand bleibt. Ist es nur eine kleine Box, kann sie ohne weiteres als Schlafplatz dienen. Keines Falls ist sie das Schreckgespenst des Wegsperrens, sondern ein Ort der Ruhe und Geborgenheit. Viele Hunde schätzen ihre Box sehr und genießen ihre Auszeiten sichtlich. Übrigens auch der strebsame Bürohund hat öfter seine eigene Box dabei, damit er auch in Ruhe schlafen kann, wenn um ihn rum der arbeitende Mensch in Hektik ausbricht.

Flauschige Umpfötelung

Shiva Wuschelmädchen

 

Die Fotos wurden mir freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von Mitgliedern der fantastischen miDoggy Community. Im einzelnen sind das:

WohlfühlhundePamela WeberDaniela HaaseBrina SchmöpJennifer BoerrigterAngy BraniacBoston BoAstrid DreverDjango der DobermannAram und AbraHundekind AbbySabine WeinzingerLea LothmannDarleen Pöhls, Julia Watschonig

❤ Falls dir mein Geschreibsel gefällt, wäre es echt knorke, wenn du es teilst.

8 Kommentare

  1. Hey Shiva und Frauchen,

    ich bin ganz eurer Meinung: eine Box ist klasse! Für Innenarchitekten, schnell gestresste Manager, unbändige Workaholics und Schissbuchsen.
    Abra ist, je nach Situation, manchmal eine Mischung aus allem. Beruflich flexibel sozusagen. Aber in der Kiste ist für sie „Schlafenszeit“, was hervorragend funktioniert.

    Auch am Hundeplatz haben wir, ganz oldschool, eine Boxengasse. Wenn man Ewigkeiten am Platz ist, ohne dass der Hund selbst etwas tut, ist das ne sinnvolle Alternative zu „Doof rumstehen und nicht richtig zur Ruhe kommen, weil auf dem Platz Action ist.“. Wir sagen immer, wir würden unsere Hunde „eintuppern“ – manch ein Neuzugang hat daraufhin schon sehr erstaunt geschaut. 😀

    Liebe Grüße,
    Mara und Abra

    • Hallöchen!
      Eintuppern ist ja süß. Bei uns ist es eintüten. Aber ich darf ins Auto. Das steht bei Wärme grundsätzlich im Schatten, alle Fenster auf (also im Sommer, im Winter natürlich nicht) und ich entspanne dort richtig. Wenn ich nass bin, werde ich trockengelegt, warmes Mäntelchen an oder Decke drüber. Der Napf ist auch drin. Perfekt!
      Ich kenne das nicht anders. Sobald ich ausgetobt und geistig voll ausgelastet bin, komme ich erst einmal in meine geliebte Autobox, damit ich zur Ruhe komme und auch schlafe. Ich schlafe da wirklich so tief, dass Frauli mich manchmal zum Gassi wecken muss.

      Flauschige Umpfötelung
      Shiva Wuschelmädchen

  2. Hallöchen,
    Lady liebt ihre Box auch sehr. Toll um sich zurück zu ziehen wenn Frauchen mal nervt. Ich nutze sie auch gerne wenn ich das Haus putze, da schläft sie einstweilen drinnen und ich sauge und wische einstweilen. LG Claudia

  3. Hey,

    die Bilder sind der Knaller!

    Wir haben zwar keine Box, aber von Anfang an ein Zimmer für ihn als übergroße Box gehabt.
    Eigentlich war es das selbe Prinzip, nur dass es eben ein Raum war. Klar haben wir uns anfangs echt Gedanken gemacht, aber wenn ich jetzt sehe, wie gerne er sich darin zurück zieht.
    Am Ende muss jeder mit seinem Hund sein Zusammenleben aufbauen, ob mit oder ohne Box….

    Liebe Grüße

  4. Huhu,
    Ich bin nicht so der Freund von den Boxen, da ich leider viel zu oft mit erlebt habe, wie Hunde über 6 Stunden in einer Box waren wo sie sich kaum um die eigene Achse drehen konnten, weil ja eine große Box im Wohnzimmer kacke aussieht und sowas ärgert mich. Ich weiß das es auch anders geht und das viele Hunde das als Kuschelige Höhle sehen, als Schutz und behüteten Ort, doch leider ist immer noch der Mensch dahinter, der dafür verantwortlich ist, wie es dem Hund geht. Ich finde es total Schade das man immer das Gefühl hat die Box wird so als Allheilmittel versprochen, der Welpe macht in die Wohnung – Pack ihn in die Box, der Hund macht sachen kaputt – pack ihn in die Box und leider hat man das Gefühl das es selten gut aufgebaut wurde. Ich finde deinen Artikel großartig, er zeigt auf, was die Box alles für Vorteile hat und das es keine Strafe ist. Das eine Box richtig angewendet, für den Hund ein Konstante ist, die ihn überall mit hin begleiten kann. Ich hoffe nur das diese Botschaft, das es hier auch auf ein Training an kommt, verstanden wird und nicht mehr Hunde einfach weggesperrt werden, weil Herrchen oder Frauchen sie nicht auslasten, oder oder oder und es am Ende für den Hund doch eine Strafe ist, weil es keinen gesunden Aufbau gab. Die Medaile hat leider doch immer zwei Seiten.
    Für Kuma war ich auch eine Zeit am überlegen ob wir eine Box holen sollten, aber er kann so toll auf einer Decke entspannen, die wir immer da hin legen wo er Nah bei einem ist und eine Wand im Rücken hat, das er problemlos im Büro entspannt.

    Liebe Grüße

    Eva

    • Hallo Eva,
      ich hoffe ich habe es deutlich genug geschrieben, dass die Box eine ausreichende Größe haben sollte. Aber ich stimme dir zu. Sie ist nicht dafür gedacht, dass man den Hund einfach mal einkastelt und das Accessoire „Hund“ aus dem Weg ist. Nein, sie soll in erster Linie dem Hund dienen und für ihn ein ruhiges und sicheres Plätzchen darstellen. Wenn sie groß genug ist – auf den Fotos haben einige Hunde regelrechte Paläste – kann sie durchaus auch als Aufenthaltsraum während der Abwesenheit genutzt werden. Dafür sind diese Megaboxen allemal groß genug.
      Für jeden Hund gibt es die perfekte Umgebung und Konstellation und nur mit ausreichender Beschäftigung, Bewegung und Training ist die Box ein toller Ausgleich um zu entspannen.

      Flauschige Grüße
      Sandra & Shiva

  5. Pingback:Wie gewöhne ich meinen Hund an das Büro – Bürohund – Undercover Labrador

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