Blogparade: Leben mit schwierigem Hund

Ein Aufruf zu einer Blogparade? Da sind wir doch gleich dabei. Hundekind Abby und ihr Frauchen haben sich ein tolles Thema ausgesucht, sagt Frauli. Aber ich – Shiva – verstehe das Thema nicht. Leben mit schwierigem Hund… Wer ist hier schwierig? Ich jedenfalls nicht. Das sind immer die anderen.

Unbestimmte Ängste

Für mich war es wahnsinnig schwer, mich darauf einzustellen, dass Shiva anders ist. Sie ist toll, keine Frage. Verkuschelt (mit der Familie), fröhlich, unternehmungslustig und neugierig. Aber… sie kann von einer Sekunde auf die andere umschalten und bekommt Angst. Angst vor einem Baum, einem Strauch, einer Scheune, einem Stein, Mülleimer, Tüten, Menschen, Tieren. Es ist nicht so, dass sie nur kurz erschrickt und sich vorsichtig anschleicht, um es zu erkunden. Nein, sie hat schreckgeweitete Augen, hechelt schnell und knurrt und verbellt alles in ihrer Umgebung. Sie aus dieser Panik herauszubekommen hat einiges an Kreativität gebraucht, da ich den Auslöser ja nicht kannte. Sie hatte zeitweise vor allem Angst.  

Das stimmt doch gar nicht! Die Welt ist gruselig. Jeder greift mich an und jeder will mir Böses. Wenn ich uns nicht verteidigen würde, dann wären wir schon längst bei Rocky im Himmel. 

Angstauslöser eliminieren

Ich konnte ja schlecht die Menschen bitte, sich minutenlang anbellen zu lassen und still zu stehen, bis sie merkt, dass keine Gefahr von den Menschen ausgeht. Also musste ich mit Bekannten üben, die sich ungewöhnlich bewegten, lange Gegenstände in der Hand hatten oder mit Taschen oder anderen Dingen herum geschlenkert haben. Mit der Zeit habe ich verschiedene Angstauslöser in Bezug auf Menschen herausgefunden und konnte sie so als ungefährlich antrainieren. Wir haben viel mit Leckerchen, Clicker und Spiel gearbeitet. Shiva ist sehr verspielt und ein kleiner Balljunkie. Meine Freunde haben dann plötzlich aus der vermeintlichen Gefahr heraus einen Ball gezückt und sobald Shivas Augen leuchteten und sie auf Ballmodus umgestiegen ist, sofort ein Spiel begonnen. Fremde Menschen habe ich teilweise gebeten, Shiva auch einen Ball zu werfen. Mittlerweile schaut sie eher neugierig, ob dieser nette Mensch nicht doch plötzlich einen Ball zückt und ihr diesen wirft. 

Ach, deshalb haben so viele Leute einen Ball dabei… du verteilst MEINE Bälle? Was ist, wenn die jemand mitnimmt? Dann fehlt plötzlich einer. Das ist gefährlich. Die können doch einfach meinen Ball nehmen und wegrennen. Frauli, du bist so naiv

Ressourcenverteidigung

Als Shiva zu mir kam, war sie nur Haut und Knochen und hat so schnell gefressen, dass sie hinterher alles wieder erbrochen hat. Zusätzlich hat sie jeden, der in die Nähe kam angeknurrt und sogar attackiert. Es gibt ja verschiedene Methoden, so ein Verhalten zu unterbinden. Entweder man demonstriert bei jeder Gelegenheit seine Überlegenheit, dass der Hund eben gar nichts besitzt und zu sagen hat oder man gibt ihm die Sicherheit, dass er es nicht nötig hat, seine Ressourcen zu verteidigen. Ich habe diesen zweiten Weg gewählt. Also wurde Shiva anfangs in ihrer Box gefüttert. Dort war sie für sich, keiner ist rangegangen und sie konnte in Ruhe fressen. Mit Spielzeug und anderen Dingen ist es so, dass sie dieses im Überfluss besitzt. Sie hat es schlicht nicht nötig, ein bestimmtes Spielzeug zu verteidigen, da sie ja einfach ein anderes nehmen kann.

Ich habe Spielzeug nicht im Überfluss… ich habe eine kleine Auswahl an Spielsachen und bin ein großzügiger Hund, der auch teilt. Und Frauli, wenn du mal so Hunger gehabt hättest, wie ich meine ersten 3 Lebensmonate, dann würdest du nicht von Ressourcenverteidigung sprechen. Ich musste doch ums Futter kämpfen. 

Territorialverhalten

Der Garten ist ein anderes Thema. Sie verbellt nicht jeden, nur diejenigen, die über den Zaun greifen und diese würde sie auch attackieren. Meine Eltern verwenden einfach die Gartenleine, mit der Shiva ca. 2 m vom Zaun entfernt gestoppt wird und ich bin auf Zack. Sobald sie auch nur Anstalten macht zu fixieren, wird sie von mir ermahnt. Dann schaut sie auch nicht mal mehr hin. Klappt also auch prima. Ich muss aber immer aufmerksam sein.

Wäre ich nicht so aufmerksam, wären sicher schon zig Leute über den Popelzaun gestiegen und hätten alles mögliche geklaut. Ich MUSS doch aufpassen. 

Eine total blöde und unnötige Negativerfahrung hat leider bei Shiva eine große Angst vorm Angebundensein ausgelöst. Sie fand es immer schon kritisch, wenn sich ihr jemand genähert hat, sobald sie angebunden war. Hat aber nicht attackiert, sondern beobachtet und ging zurück. Manchmal hat sie dabei auch gebellt. Seit einem Vorfall beim Campen hat sich das leider geändert. Shiva war vorm Zelt angebunden und eigentlich ist da auch keiner groß hin. Ich war kurz am Fluss in vielleicht 50m Entfernung und habe einer Freundin geholfen ihren nach Fisch stinkenden Hund zu waschen. Da ist der Partner meiner Freundin zu Shiva ans Zelt, sie hat ihn angebellt und anstatt, dass er sie anspricht und kurz wartet ist er hoch aufgerichtet und drohend auf sie zugegangen. Shiva ist immer weiter zurück und hat versucht ihn durch Bellen zu vertreiben. Das hat ihn nicht interessiert und als sie doch vor ist und versucht hat ihn durch Luftschnappen zu vertreiben, hat er sie getreten. Seitdem wird jeder, der sich näher als 2m an sie nähert erbarmungslos attackiert. Ich bekomme diese Angst nicht aus ihr heraus, so viel ich auch übe und trainiere. Wobei… wir haben den Radius von 10m auf  2m reduziert. Also ist es doch ein Erfolg. Ich bin ja mit Kleinigkeiten zufrieden. 

Ich mag es nicht, wenn jemand zu mir kommt, der nicht du ist. So einfach ist das. Du hast mich noch nie getreten….

Auch, wenn es manchmal nicht einfach ist und einen vor immer neue Herausforderungen stellt. Mein Wuschelmädchen ist das Beste, was mir nach dem Tod meines Seelenhundes passieren konnte. Rocky hatte mich beim ersten Blick. Das war wie ein Schuss ins Herz. Zack und ich war sofort gefangen und wusste, wir beide… wir sind das Dreamteam. Von einem Moment zum anderen… ich trauerte noch um meine geliebte Jenny. Sie wird unvergessen sein, war sie doch mein Wunschhund, Traumhund und Herzhund. Wir durchlebten eine wunderschöne Zeit und ihr Tod war so plötzlich und grauenvoll. Dann war da Rocky und das Leben war voller Sonnenstrahlen, duftendem Gras und Harmonie. Nicht einmal 9 Jahre durfte er mich begleiten, dann wurde er mir vom Monster Krebs genommen… Ich stand da, wusste nicht wohin vor lauter Trauer und hatte einen Hund an meiner Seite, der grade mal das Leben entdeckte und überall Gefahren sah. Sie forderte meine ganze Kreativität, Liebe und heilte langsam und stetig meine zerrissene Seele. Ich kann mir keinen Tag ohne mein Wuschelmädchen vorstellen. Sie ist mein Gegenstück. Nicht wie Rocky oder Jenny. Beide hatten mich sofort. Die Liebe zu Shiva wuchs langsam, sie wächst immer noch. Shiva ist besonders, Shiva ist speziell. Sie kann der liebste und tollste Hund der Welt sein. Blitzgescheit und gelehrig und dann ist sie wieder ein Filou, der mich narrt, an der Nase herumführt, blöd dastehen lässt, bis auf die Knochen blamiert, nur um mich im nächsten Moment wieder so glücklich zu machen. Ein schwieriger Hund? Ja! Aber sie ist perfekt! Nicht in den Augen anderer… aber in meinen Augen kann es keinen perfekteren und wundervolleren Hund geben. Wer sich einmal auf das Abenteuer schwieriger Hund eingelassen hat und die Eigenheiten nicht als Fehler, sondern als individuell und einzigartig deklariert, erlebt die wundervollste Zeit seines Lebens.

Flauschige Grüße

Sandra

Ich muss auch sagen, dass es eine harte Nuss war… Frauli kann so lieb und witzig sein und sich für mich echt überschlagen, aber anfangs war es echt knackig. Sie hat immer nur an Rocky gedacht und ich? Ich hab sie doch gebraucht! Ich wusste vom ersten Tag, dass sie mein Frauli ist und nichts auf der Welt uns trennen kann, aber bis ich Frauli überzeugt hatte, dauerte es doch eine ganze Weile. Zusammen sind wir stark, zusammen sind wir ein Dreamteam!

Flauschige Umpfötelung

Shiva Wuschelmädchen

6 thoughts on “Blogparade: Leben mit schwierigem Hund

  1. caro

    Hach, ihr zwei Süssen! Mir kommt da vieles bekannt vor… Manche Dinge können wir lösen, manche dauern ewig… Umso schöner, wenn hartnäckige Knoten aufgehen. Für beide Seiten, füreinander… Snief…
    Liebe grüße caro u Geronimo 😉

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    1. Profilbild von ShivaWuschlShivaWuschl Post author

      Da hast du Recht. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ein Problem sich plötzlich in nichts auflöst und man sich so frei fühlt. Einfach niemals aufgeben.
      Liebe Grüße
      Sandra & Shiva

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  2. Victoria und Timmy

    Shiva und Timmy sind sich wirklich recht ähnlich. Mir tut es nur immer so leid, wenn ich sehe wie Timmy nach so einem Ausraster leidet und überhaupt nicht so recht weiß wohin mit sich. Wenn er so aufgeregt und gestresst danach ist 🙁 Aber ich bin mir sicher, wir und auch ihr kriegen das irgendwann irgendwie hin und können die Ängste zumindest ein Stück weit nehmen 🙂

    Ganz liebe grüße von uns!

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    1. Profilbild von ShivaWuschlShivaWuschl Post author

      Genau. Immer daran denken: Gemeinsam sind wir stark! Das ist schon fast mein Mantra und witzigerweise klappt dann vieles besser. Mein Mäuschen leidet auch so sehr, wenn sie so eine Panikattacke hatte. Ich selber fühle mich hilflos und muss mir dann noch dumme Sprüche anhören. Da könnte ich zum Berserker werden und meistens ist meine Reaktion nicht sehr freundlich solchen doofen Menschen (meist Männer) gegenüber. Aber wir schaffen es. Unsere Hunde können so fantastisch sein und das wissen wir auch.

      Liebe Grüße

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Einfach lostipseln... aber bitte lieb sein ;)